KVIAPOL

Glossar (FAQ)
 

1. Wann ist eine polizeiliche Gewaltanwendung rechtswidrig?

Die Polizei darf in bestimmten Situationen körperliche Gewalt anwenden, um polizeiliche Maßnahmen durchzusetzen (sog. unmittelbarer Zwang). Wann das zulässig ist, wird durch verschiedene gesetzliche Regelungen bestimmt. Nur bei Vorliegen der dort genannten Voraussetzungen darf die Polizei Gewalt anwenden. Die Grenzen dieser Befugnisse sind dann überschritten, wenn die Voraussetzungen für den Gewalteinsatz nicht (mehr) vorliegen oder wenn der Einsatz von Gewalt unverhältnismäßig ist. Unverhältnismäßig bedeutet, dass das für die Zweckerreichung der Maßnahme erforderliche Maß der Zwangsausübung überschritten wird. In diesen Fällen ist die polizeiliche Gewaltanwendung rechtswidrig und stellt dann in der Regel auch eine strafbare Körperverletzung im Amt gemäß § 340 Strafgesetzbuch dar.

 

2. Was bedeutet "Viktimisierungsprozess"?

Viktimisierung bedeutet „zum Opfer werden“ (lat. victima = Opfer). Der Viktimisierungsprozess beschreibt also einen Geschehensablauf, bei dem eine Person durch eine rechtswidrige Handlung einer oder mehrere anderer Personen geschädigt wird. Dabei sind verschiedene Einflussfaktoren von Bedeutung: Einerseits können bestimmte Situationen ein gewisses Risiko- oder Konfliktpotential beinhalten, andererseits können persönliche Merkmale des Opfers und des Täters den Viktimisierungsprozess bedingen. Ziel des Forschungsprojekts ist es deshalb, diese Faktoren zu identifizieren und zu analysieren. Welche Personengruppen haben ein höheres Risiko, Opfer von rechtswidriger Gewaltanwendung durch die Polizei zu werden? Welche Situationen sind besonders typisch? Was lässt sich über die Tatbegehenden herausfinden?

 

3. Was ist mit Anzeigeverhalten gemeint?

Die Verfolgung einer strafbaren Handlung hängt in erster Linie davon ab, dass sie den Strafverfolgungsbehörden überhaupt bekannt wird. Dies geschieht in der Regel durch eine Strafanzeige. Die Erstattung oder Nichterstattung einer Anzeige sowie die Faktoren, die diese Entscheidung beeinflussen, werden unter den Begriff des Anzeigeverhaltens gefasst.

 

4. Was ist das Dunkelfeld?

Nicht alle Straftaten, die begangen werden, werden Polizei und Staatsanwaltschaft als den Strafverfolgungsbehörden auch bekannt. Sie bleiben „im Dunkeln“. In der Dunkelfeldforschung wird versucht, Hinweise darauf zu finden, wie viele Taten tatsächlich begangen werden, auch wenn diese weder angezeigt noch auf sonstige Art und Weise von der Justiz erfasst werden. Aber nicht nur die Häufigkeit, auch die Struktur und Besonderheiten des Dunkelfeldes in dem jeweiligen Deliktsbereich werden betrachtet. Ziel des Forschungsprojekts ist es, das Dunkelfeld von rechtswidriger Polizeigewalt zu beleuchten. Das bedeutet, dass wir nicht nur Fälle betrachten, bei denen es zu einer Anzeige, Gerichtsverhandlung oder Verurteilung gekommen ist, sondern gerade auch solche Fälle auswerten wollen, die gar nicht angezeigt wurden.

 

5. Was bedeutet Repräsentativität?

Repräsentativ sind Datenerhebungen dann, wenn sich aus der Analyse einer kleineren Menge von Daten – der jeweiligen Stichprobe – Rückschlüsse auf eine größere Menge – die Grundgesamtheit, in der Regel die Gesellschaft insgesamt – ziehen lassen. Eine Stichprobe gilt daher dann als repräsentativ, wenn sie alle Merkmale einer Grundgesamtheit abbildet. Viele wissenschaftliche Studien sind nicht repräsentativ. Ob dies der Fall ist, hängt von der gewählten Methodik ab.

Repräsentativität wird in der Regel dadurch erreicht, dass die zu Befragenden zufällig ausgewählt werden. Genau dies ist aber praktisch kaum umsetzbar, wenn man Phänomene untersucht, die vergleichsweise selten und / oder in der Gesellschaft mutmaßlich sehr ungleich verteilt sind. Für die Untersuchung der Anwendung übermäßiger Gewalt durch Polizeibeamt*innen hätte eine sechsstellige Anzahl an Personen befragt werden müssen, um eine hinreichend große Stichprobe von Betroffenen aus der Bevölkerung in Deutschland zu gewinnen. Die Ergebnisse sind also nicht bevölkerungsrepräsentativ. Ob die Ergebnisse repräsentativ für Betroffene rechtswidriger Polizeigewalt sind, kann nicht gesagt werden, da gar nicht bekannt ist, wie sich die Grundgesamtheit zusammensetzt.

Fragestellungen wie die von KviAPol lassen sich also praktisch nur mittels einer nicht repräsentativen Stichprobe untersuchen. Dies bedeutet nicht, dass sich aus den Ergebnissen keinerlei Schlussfolgerungen für die Gesamtheit der Situationen ableiten ließen, in denen es zu solcher Gewalt kommt. Zwar dürfen die Ergebnisse nicht einfach verallgemeinert werden. Gerade eine so große und differenzierte Stichprobe wie die im Projekt KviAPol gewonnene liefert bei einer Vielzahl von Fragestellungen aber wesentliche Anhaltspunkte für eine Einschätzung der Gesamtsituation.